Beauty

Die Matrix der Schönheit

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, dennoch streben die meisten nach normierter Perfektion

Blond oder brünett, zart oder sportlich, runde oder schräge Augen? Es ist nicht leicht zu sagen, was schön ist. Versuche, Schönheit „berechenbar“ zu machen, liegen in der Annahme, dass alles, was in Balance ist, auch Harmonie ausstrahlt. Ein seit der Antike bekannter Aspekt ist die Symmetrie, also ein gleichmäßig verteiltes Aussehen.

Wie verschiedenste Forschungsergebnisse zeigen, gibt es allgemeine Gesichts- und Körpermerkmale, die von einer überwiegenden Mehrheit der Menschen als attraktiv empfunden werden und sich mathematisch nachweisen lassen. Euklid entdeckte den sogenannten Goldenen Schnitt, der als ideale Proportion und als Inbegriff von Schönheit und Harmonie angesehen wird – und dieser gilt auch für die Gesichts- und Körperproportionen.

Die Definition von Schönheit als Harmonie hängt allerdings nicht nur von den Einzelteilen selbst, sondern ihrem Zusammenspiel untereinander ab. Nase, Augen, Lippen, alles kann, einzeln betrachtet, perfekt sein, aber oft lähmt diese Perfektion die Attraktivität. Das untermauern auch Studien, in denen das Gesicht gespiegelt wurde, also eine mathematisch exakte Symmetrie ergibt. Eine Frau mit einer enormen Nase, seltsamen Augen oder Lippen kann sehr faszinierend sein – und dadurch viel attraktiver wirken. Psychologisch wird dies erklärt, dass es als langweilig empfunden wird, wenn das Gesicht nichts Interessantes zum Anschauen bietet.

Attraktivität ist also höchst individuell und je nach Epoche und Kultur sehr unterschiedlich. Eine jugendliche, makellose Haut gefällt jedoch immer. „Das Glatte ist die Signatur der Gegenwart“, behauptet der Berliner Pop-Philosoph Byung-Chul Han, der dies nicht nur in der Kunst, sondern auch in Beautytrends erkennt. Tatsächlich entspricht auch eine glatte, pralle, ebenmäßige Haut unserem aktuellen Schönheitsideal – und diese Eigenschaften sind auch ein Zeichen von Jugendlichkeit, was erklärt, weshalb sich die ganze Kosmetikindustrie darauf spezialisiert hat. Dank innovativer Hightech-Formeln und effektiver Wirkstoffe verhelfen Beautyprodukte zu einem makelloseren Hautbild. Sie minimieren Unreinheiten, Pigmentverschiebungen, Irritationen sowie Linien und Falten, verjüngen und sorgen für einen glatten, prallen, strahlenden Teint. Weitere wichtige Determinanten sind Jugendlichkeit und Geschlechtsdimorphismus, das heißt deutliche Unterschiede in Erscheinung, Körperfunktionen oder Verhalten zwischen männlichen und weiblichen Individuen.

Der wichtige Schönheitsparameter ist aber immer noch Sympathie – und diese steigt mit einem Lächeln. „Ein Lächeln ist oft das Wesentliche“, wusste auch schon der französische Schriftsteller und Abenteurer Antoine de Saint-Exupéry.



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