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Transfashional - Experimental Fashion in the Context of Contemporary Art

Datum 08.12 - 20.12.2017
Ort MuseumsQuartier Wien, frei_raum Q21 exhibition space, 1070, Museumsplatz 1

Die Ausstellung Transfashional eröffnet am 07. Dezember im Museumsquartier. Sie untersucht, wie Kunst und Mode junger Künstler/innen und Designer/innen auf gegenwärtige soziale, ökonomische, kulturelle und umweltbedingte Dringlichkeiten reagieren und wie in Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung neue Positionen entstehen. Die Ausstellung bringt so junge Künstler/innen aus Österreich, Polen und England zusammen.

Transfashional startete 2016 mit einem Workshop an der Schnittstelle zwischen Mode und Kunst, an dem Hussein Chalayan (Modedesigner, Die Angewandte), die Kuratorinnen José Teunissen (Arnhem Fashion Biennial und London College of Fashion) und Susanne Neuburger (MUMOK − Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Barbara Putz-Plecko und Beatrice Jaschke (beide Die Angewandte) beteiligt waren. Transfashional ermutigt und präsentiert kollaborative und experimentelle Projekte mit transdisziplinärem Fokus. Die Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen und Kunstsparten werden transparent.

Mit dem Nachdenken über die Welt, in der sie leben, thematisiert diese junge Generation von Künstler/innen und Designer/innen auch die Notwendigkeit Produktionsprozesse und soziale Beziehungsgefüge einer Revision zu unterziehen. Sie wendet sich von der Modeindustrie mit ihrem akzelerierten Produktionsrhythmus ab. Ihr Bestreben nach Alternativen ermutigt und inspiriert neue Produktionen – mehr von Ideen denn von Gütern. Über Tragbarkeit und Funktionalität hinausgehend sind die Arbeiten kritisch, engagiert und konzeptionell, Symbole und Symptome des Zeitgeistes.

Die Künstlerin Lara Torres ersucht in ihrem Video Unmaking die Besucher/innen innezuhalten und darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft Mode herstellen. Ihre visuelle Erzählung besteht aus performativen Gesten wie „Ent-Weben“ („Un-Weaving“), „Ent-Nähen“ („Un-Sewing“) und Abreißen, um die symbolische Bedeutung des Fadens, des Fragments und all dessen, was als materielle Spur menschlicher Existenz verbleibt, bewusst zu machen. Ähnlich evoziert Anna-Sophie Bergers Arbeit She Vanished 1 Abwesenheit, Verlust und den generellen Zustand des Wegziehens, während Ana Rajčević mögliche Neuanfänge prüft. Ihre tragbaren Skulpturen in Form von langen Hörnern evozieren urtümliche wie futuristische Dimensionen.

Kate Langrish-Smith hinterfragt Tragbarkeit und Funktionalität noch weitergehend. Ihre an den menschlichen Körper gebundenen Skulpturen fungieren als rätselhafte, performative Behelfsmittel. Zunächst in einer Körperhaltung verharrend, reagieren sie auf choreografierte Interaktionsangebote der Besucher/innen. In Manora Auerspergs Arbeit wird die Ausstellung selbst zum Objekt künstlerischer Analyse und Reflektion. Sie zeichnet deren räumlichen Kontext in situ durch Transformation einer textilen Oberfläche. Durch das Herausziehen von Fäden löst sich die gegebene Struktur des ursprünglichen Gewebes auf und die gezeichnete Spur des Kontexts materialisiert sich in einem anderen textilen Medium. Für die Ausstellung in Wien transformiert sie die Arbeit auf einen weiteren Level. Eine von Konrad Stutz gebaute Kamera scannt/liest die textile Oberfläche und transformiert sie somit in eine anderen Text/eine Textur.

Einige Arbeiten thematisieren das Potenzial von Materialien:
Für ihre Excuse My Dust Serie entwickelte Christina Dörfler-Raab einen destruktiven Oberflächenbearbeitungsprozess unter der Verwendung von Haushaltsprodukten wie Mehl und Chlorbleiche auf Second-Hand-Textilien. Kontextualisiert wird die alltägliche Grundwasserverschmutzung von Färbe-und Bleichtechniken durch die Textilindustrie. Um neue Perspektiven auf die Phasen des Dekonstruktionsprozesses zu werfen, wurden in Kooperation mit der Performerin und Künstlerin Jasmin Schaitl performative Experimente entwickelt. Diese Weiterentwicklung der Excuse-My-Dust-Serie wird in einer -Live Performance präsentiert. Afra Kirchdorfer hat ein modulares Bekleidungssystem kreiert, das aus Bändern und geometrisch ausgeschnittenen Stoffteilen, die endlos miteinander um den Körper herum drapiert werden können, besteht – eine spielerische Aktion von Kombinations- und Rekombinationsprozessen, Design und Re-Design und zugleich ein Überdenken der eigentlichen Bedeutung des Begriffs ready-to-wear.
 
Der Grafikdesigner Maximilian Mauracher entwickelte das Projekt NOUS002, ein Nachfolgemodell seiner interaktiven Installation im Transfashional Lab London. Diese künstliche Intelligenz, eine automatische Kombination verschiedenartiger digitaler Tools für Bildanalyse und -manipulation, erzeugt einen fast endlosen Fluss computergenerierter Bilder. Die Installation zeigt eine kleine Auswahl von Experimenten mit Mustern und Silhouetten, ihr Zukunftspotenzial visualisierend.
 
Janusz Noniewicz, Dominika Wirkowska und Robert Pludra präsentieren mit einer Gruppe Studierender der Abteilungen Mode und Produktdesign der Akademie der Bildenden Künste Warschau eine von Robert Musils RomanDie Verwirrungen des Zöglings Törleß“ inspirierte komplexe Videoanimation und interaktive Installationen. In ihrer Arbeit geht es um das Passivsein und Aktivwerden sowohl in der Position der Bürgerin/des Bürgers als auch als kreative Person in ihrer Beziehung zur sozialen, politischen und kulturellen Lebenswelt. Die Modedesignerin Anna Schwarz und die Fotografien Lisa Edi erforschen gemeinsam die dialektische Beziehung zwischen dem „Auge“ der Kamera und dem sie fokussierenden Objekt.
 
Transfashional ist eine Veranstaltung der Universität für angewandte Kunst Wien in Zusammenarbeit mit der Akademie der Bildenden Künste Warschau, dem London College of Fashion, dem Österreichischen Kulturforum Warschau, dem Österreichischen Kulturforum London und mit Unterstützung des Österreichischen Bundesministeriums für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien. Kuratiert von Dobrila Denegri
 
Künstler/innen und Designer/innen:
Manora Auersperg, Anna-Sophie Berger, Christina Dörfler-Raab & Jasmin Schaitl, Lisa Edi, Afra Kirchdorfer, Kate Langrish-Smith, Maximilian Mauracher, Ana Rajčević, Anna Schwarz, Lara Torres, Dominika Wirkowska & Daria Wierzbicka & Julia Sulikowska & Radek Smędzik & Margarita Slepakova & Clemens Fiechter & Robert Pludra & Maria Olszewska & Janusz Noniewicz & Wojciech Małolepszy & Emil Litwiniec & Brunon Kowalski & Jan Kardas & Natalia Gil
 
Ort: MuseumsQuartier Wien, frei_raum Q21 exhibition space, 7., Museumsplatz 1
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 8. – 20. Dezember 2017 / Öffnungszeiten: Mo–So 13–20 Uhr

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