Fashion Damen

Neue Erkenntnisse und Technologien ermöglichen rasante Entwicklungen

Während bei Smart Watches die Definition recht eindeutig mit kommunikativen, elek-tronischen Funktionen gleichgesetzt wird, ist die Interpretationsmöglichkeit bei Stoffen weitaus größer. Denn selbst viele traditionelle Naturmaterialien wie Wolle oder Seide und natürliche Verarbeitungsmethoden wie Walk haben „smarte“ Eigenschaften. So sind sie beispielsweise ebenso wärmespeichernd, wasserabweisend oder klimaaktiv wie viele synthetische Hightech-Stoffe. Letztere finden sich im aktuellen „Athleisure“-Modetrend wieder. Wie schon der Name ankündigt, ist dies die Kombination von „athletic“ und „leisure“: Also sportliche Funktionstextilien, die bei Tages-, aber auch bei Abendmode für einen modernen Look sowie erhöhten Tragekomfort und Bewegungsfreiheit sorgen, oder aber sportliche Styles, die, angelehnt an das 80er-Jahre- Revival, funktionelle Sportkleidung wieder alltagstauglich werden lässt. Doch es gibt noch weit Innovativeres.

Smart Textiles
Die neuesten Stofflancierungen warten dank spezieller Nanotechnologien mit weiteren spektakulären Eigenschaften auf. Gewisse Faserstrukturen ermöglichen hauchdünne, superleichte, dennoch sehr reißfeste, widerstandsfähige oder elastische Gewebe. Andere sind schnell trocknend, leiten Wärme sowie Feuchtigkeit aus oder halten Kälte oder Wärme ab. Bestimmte Beschichtungen hingegen wirken antibakteriell, übertragen Pflegesubstanzen sowie Medikamente auf die Haut oder wechseln bei Temperaturunterschieden, Ozon- oder anderen Umweltbelastungen die Farbe. Einige Materialien sind hitzeabweisend, sogar bis zu einem gewissem Grad feuerresistent. Moderne Web-arten wiederum ermöglichen durch gezielte Kompressionen und Massage-effekte eine raschere Heilung bei bestimmten Verletzungen, aktivieren den Stoffwechsel oder minimieren Cellulite.

Connected Clothes
Der zweite große Trend sind Kleidung und Accessoires, die mit dem Körper, der Umwelt oder bestimmten Geräten elektronisch kommunizieren. Noch haben Smart Watches und Activity Tracking in der Umsetzung dieser Thematik die Nase vorn, aber die Mode-Items holen allerdings rasant auf – und sie haben durch ihre große Fläche auch gewisse Vorteile. Ihre Funktionen reichen von Energiespeicherung, integrierter Sensorik, Kommunikation mit dem Smartphone oder Computer bis hin zu Fun-Features und Medizintechnik. Die Methoden hierfür sind höchst unterschiedlich: Entweder es werden spezielle leitfähige Metallfäden in den Stoff eingewoben, über Stickereien appliziert, laminiert oder einfach auf- oder eingenäht bzw. -gesteckt. Diese Techniken ermöglichen beispielsweise, integrierte Akkus für das Smartphone, entweder über die Körperwärme in der Kleidung oder die Gehbewegungen in den Schuhen, aufzuladen. Ebenso können Activity Tracker-Funktionen von Outfits und Accessoires übernommen werden, die oftmals genauere oder vielfältigere Informationen als diese weitergeben. Das Innovationszentrum AdaptSys entwickelt zurzeit Schutzkleidung für Feuerwehrmänner, die neben einer GPS-Funktion auch den O2-Level und auf 18m Distanz Feuerhitze großflächig und auch bei Sichteinschränkung sehr gut lesbar anzeigt. Im Alltag sind allerdings eher diskrete Lösungen mit verborgener Technik gefragt, die überdies auch pflegeleicht und waschmaschinentauglich sein müssen. Wie beispielsweise das Levi’s® Commuter™ Trucker Jacket, das dieses Jahr noch lanciert werden soll. Anhand einer Applikation am Ärmel können damit viele Funktionen des Smartphone gesteuert werden – und bald soll auch der Gürtel „Welt“, der Schritte zählt und Bewegungsmangel und Taillenumfang dokumentiert, auf den Markt kommen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Fun-Faktor Neben all den praktischen Funktionen gilt aber der Spaß- und Spielfaktor als ebenso wichtiger Verkaufsgarant. Mode unterscheidet sich von Funktionskleidung ja zumeist durch den Luxus, Überflüssiges, aber ästhetisch Ansprechendes oder Kreatives hinzuzufügen. Das lässt sich gut mit eingebauten LED-Lampen verwirklichen. So gibt es bereits etliche Kleidungsstücke, die durch Lichteffekte gepimpt wurden. Als fashionable Masterpiece gilt das interaktive „Cognitive Marchesa Dress Lights up the Night“-Dress, das Karolina Kurkova bei der Met Gala 2016 trug. Hunderte Lämpchen leuchteten, je nach der Meinungslage oder Stimmung der Tweets-Kritiken über den Event. Auch Rihanna präsentierte sich bei einer Bühnenshow in spektakulären Outfits, die mit interaktiven LED-Systemen und über 50 eingearbeiteten Laserstrahlern für eine einzigartige Lichtshow sorgten. Ein ganz anderes Ziel verfolgt die GPS-gesteuerte Hose von Spinelli Design: Sie teilt ihrem Träger anhand von Vibrationen mit, wenn er vom Weg abkommt. Biegt man einmal falsch ab, erinnert der Stoff an die richtige Richtung. Das System funktioniert natürlich auch bei Accessoires.

Intelligent Gadgets
So lancierte ein englisches Modelabel eine Handtasche mit einem Display, auf das mittels Smartphone Farben, Designs, Fotos oder Messages, beispielsweise das Wort „single“ oder Herzsymbole, übertragen werden können. Dadurch passt sich die Tasche farblich und stilistisch den verschiedensten Looks ihrer Trägerin an und dient überdies auch als Kommunikationstool. Auf das gleiche Prinzip, aber mit weitaus höherer Bildauflösung, setzt das Start-up-Projekt Shift Wear, das Sneaker mit Projektionsflächen entwickelt hat, die sogar Filme abspielen können. Auf der Fashiontech-Konferenz in Berlin wurde ein intelligenter Spiegel von Oak Lab vorgestellt. Er vermisst potenzielle Käufer in der Umkleidekabine und schlägt auf Wunsch weitere Kleidungsstücke in anderen Größen und Farben vor. Ebenfalls beeindruckend: der Panasonics Kleiderbügel; er neutralisiert Gerüche an Kleidungsstücken mittels elektrostatischer Wassertröpfchen – eine Funktion, die unter anderem Zigarettenrauch aus Mänteln für immer verbannen soll.

Diese Beispiele sind jedoch erst die ersten zarten Schritte der Anwendung dieser neuen Technologien. Möglicherweise werden sie die Mode- und Lifestylewelt in den nächsten Jahren revolutionieren – vielleicht bleiben sie aber auch reine Funktionstools und wir erfreuen uns weiter „fast“ ausschließlich an edlen, traditionell gewebten Stoffen.


René Melcher/ Austria Hairdressing Award

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