Smart Clothes versus Smart Watches

Irmie´s World, Blog, Smart Clothes, Smart Watches, Wearables

Neue Erkenntnisse und Technologien ermöglichen rasante Entwicklungen, sowohl bei Uhren, als auch bei Stoffen. Auf der Pariser Stoffmesse Premiere Vision und den Uhrenmessen in Basel und Genf waren bereits die ersten kommerziellen Vorboten zu sehen. Es ist also nur mehr eine Frage der Zeit, wann sie den Fashion- beziehungsweise Uhrenmarkt erobern. Ob sie sich konkurrenzieren oder überhaupt Relevanz besitzen werden, wissen wir allerdings erst in einigen Jahren.

Während bei Smart Watches die Definition recht eindeutig mit kommunikativen, elektronischen Funktionen gleichgesetzt wird, ist die Interpretationsmöglichkeit bei Stoffen weitaus größer. Denn selbst viele traditionelle Naturmaterialien wie Wolle oder Seide und natürlich Verarbeitungsmethoden wie Walk haben „smarte“ Eigenschaften. So sind sie beispielweise ebenso Wärme speichernd, Wasserabweisend oder Klimaaktiv wie viele synthetische Hightech-Stoffe.

Letztere finden sich im aktuellen „Athleisure“ Modetrend wieder. Wie schon der Name ankündigt, ist dies die Kombination von „athletic“ und „leisure“: Also sportliche Funktionstextilien, die bei Tages- aber auch bei Abendmode für einen modernen Look sowie erhöhten Tragekomfort und Bewegungsfreiheit sorgen, oder aber sportliche Styles, die angelehnt an das 80er Jahre Revival funktionelle Sportkleidung wieder alltagstauglich werden lässt. Doch es gibt noch weit Innovativeres.

Smart Textiles. Die neuesten Stofflancierungen warten dank spezieller Nanotechnologien mit weiteren spektakulären Eigenschaften auf. Gewisse Faserstrukturen ermöglichen hauchdünne, superleichte aber dennoch sehr reißfeste, widerstandsfähige oder elastische Gewebe. Andere sind schnell trocknend, leiten Wärme sowie Feuchtigkeit aus oder halten Kälte oder Wärme ab. Bestimmte Beschichtungen hingegen wirken antibakteriell, übertragen Pflegesubstanzen sowie Medikamente auf die Haut oder wechseln bei Temperaturunterschieden, Ozon- oder anderen Umweltbelastungen die Farbe. Einige Materialien sind Hitze abweisend, sogar bis zu einem gewissen Grad Feuer-resistent. Moderne Webarten wiederum ermöglichen durch gezielte Kompressionen und Massageeffekte eine raschere Heilung bei bestimmten Verletzungen, aktivieren den Stoffwechsel oder minimieren Cellulite.

Connected Clothes & Watches. Der zweite große Trend, sind Kleidung und Accessoires, die mit dem Körper, der Umwelt oder bestimmten Geräten elektronisch kommunizieren. Smartwatches sind zurzeit die größte Konkurrenz für günstigere Fashionbrands im Uhrensegment. Der Trend zur Zweituhr am Handgelenk eröffnet aber auch neue Verkaufsmöglichkeiten und vielleicht kann sogar jene junge Klientel, die aufgrund der allerorts abrufbaren Zeit gar keine Armbanduhr mehr trägt, als Neu- oder Einsteigerkunde für klassische Zeitmesser, gewonnen werden. Eine besonders große Bereitschaft sich eine Smartwatch zuzulegen herrscht neben der Einsteigerpreisklasse, laut der Uhren-Monitor Statistik, in dem sich auch hochwertige Fashion bewegt.

Noch haben Smart Watches und Activity Tracking in der Umsetzung dieser Thematik die Nase vorn, aber die Fashion-Wearables holen allerdings rasant auf – und sie haben durch ihre große Fläche auch gewisse Vorteile. Ihre Funktionen reichen von Energiespeicherung, integrierter Sensorik, Kommunikation mit dem Smart Phone oder Computer bis hin zu Fun-Features und Medizintechnik. Die Methoden hierfür sind höchst unterschiedlich. Entweder werden spezielle leitfähige Metallfäden in den Stoff eingewoben, über Stickereien appliziert, laminiert oder einfach auf- oder eingenäht bzw. –gesteckt. Diese Techniken ermöglichen beispielsweise integrierte Akkus für das Smart Phone, entweder über die Körperwärme in der Kleidung oder den Gehbewegungen in den Schuhen, aufzuladen. Ebenso können Activity Tracker Funktionen von Outfits und Accessoires übernommen werden, die oftmals genauere oder vielfältigere Informationen als diese weitergeben. Das Innovationszentrum AdaptSys entwickelt zurzeit Schutzkleidung für Feuerwehrmänner, die neben einer GPS-Funktion auch den O²Level und auf 18m Distanz Feuerhitze großflächig -und auch bei Sichteinschränkung, sehr gut lesbar anzeigt. Im Alltag sind allerdings eher diskrete Lösungen mit verborgener Technik gefragt, die überdies auch pflegeleicht und Waschmaschinentauglich sein muss. Wie beispielsweise das Levi's® Commuter™ Trucker Jacket, das dieses Jahr noch lanciert werden soll. Anhand einer Applikation am Ärmel können damit viele Funktionen des Smart Phone gesteuert werden – und bald soll auch der Gürtel „Welt“, der Schritte zählt und Bewegungsmangel und Taillenumfang dokumentiert, auf den Markt kommen - um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Fun Faktor. Nebst all den praktischen Funktionen gilt aber der Spaß- und Spielfaktor als ebenso wichtiger Verkaufsgarant. Mode unterscheidet sich von Funktionskleidung ja zumeist durch den Luxus Überflüssiges, aber ästhetisch Ansprechendes oder Kreatives hinzuzufügen. Das lässt sich gut mit eingebauten Led-Lampen verwirklichen. So gibt es bereits etliche Kleidungsstücke, die durch Lichteffekte gepimpt wurden. Als fashionable Masterpiece gilt das interaktive „Cognitive Marchesa Dress Lights up the Night“ Dress, dass Karolina Kurkova bei der Met Gala 2016 trug. Hunderte Lämpchen leuchteten, je nach der der Meinungslage oder Stimmung der Tweets Kritiken über das Event. Auch Rihanna präsentierte sich bei einer Bühnenshow in spektakulären Outfits, die mit interaktiven Led-Systemen und über 50 eingearbeiteten Laserstrahlern für eine einzigartige Lichtshow sorgten.

Das funktioniert natürlich auch auf Accessoires. Ein englisches Modelabel lancierte eine Handtasche mit einem Display auf das mittels Smartphone Farben, Designs, Fotos oder Messages, beispielsweise das Wort „single“ oder Herzsymbole übertragen werden können. Dadurch passt sich die Tasche farblich und stilistisch den verschiedensten Look ihrer Trägerin an und dient überdies auch als Kommunikationstool. Auf das gleiche Prinzip, aber mit weitaus höherer Bildauflösung setzt das Start-up Projekt Shift Wear, das Sneaker mit Projektionsflächen entwickelt hat, die sogar Filme abspielen können.

Diese Beispiele sind jedoch erst die ersten zarten Schritte der Anwendung dieser neuen Technologien. Möglicherweise werden sie die Mode- und Lifestylewelt in den nächsten Jahren revolutionieren – vielleicht bleiben sie aber auch reine Funktionstools und wir erfreuen und weiter „fast“ ausschließlich an edlen traditionell gewebten Stoffen und mechanischen Zeitmessern. 

Ich hoffe Euch mit meinen Recherchen inspiriert zu haben und freue mich über Feedback!

Eure


Irmie Schüch-Schamburek

‹‹ ältere Einträge