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THE NEW GENDER CODES

Die Auflösung klassischer, männlicher und
weiblicher Parameter zählt zu den wichtigsten, aktuellen Megatrends.

Non gender, gender fluid, gender neutral, gender shift – egal, wie man es nennt: Die Auseinandersetzung mit dem Mix & Match sowie der Transformation geschlechtsspezifischer  Verhaltensweisen und Dresscodes ist in vielen Lebensbereichen ein großes Thema. Für Mai Ngyuen vom französischen Trendbüro Peclers ist die Entwicklung bereits in allen Gesellschaftsschichten angelangt und integriert. „Wir gendern schon seit zehn Jahren“, so Astrid Stüger-Hübner von Juwelier Hübner. „Was zeichnet denn eine Herren- oder Damenuhr aus? Je nach Markt, Persönlichkeit und Statur ist das völlig unterschiedlich.“

Gender Shift Unter diesem Begriff versteht man das spielerische Übernehmen von Signature-Codes des anderen Geschlechts. Die Mode als Spiegel der Gesellschaft dokumentiert dies besonders eindrucksvoll, kreativ und manchmal mit augenzwinkernder Ironie. Legendär: Der absolute Tabubruch von Jean Paul Gaultier, der in den 80er-Jahren die erste Männerröcke-Kollektion entwarf. Mittlerweile müssen die Modelabels zu anderen optischen Kalibern greifen, um globale Aufmerksamkeit zu erreichen. Gucci tut dies, indem das Label Männer in opulenten, schrillbunten, femininen Mustern, Volants und Damenhandtaschen über den Laufsteg schickte. Einige amerikanische Brands verpassten ihren Male Models bei den aktuellen Shows sogar Miniröcke und sexy High Heels. Umgekehrt erleben wir ein Revival des Powerfrauen-Looks aus den 80er-Jahren mit Hemdblusen, maskulinen Anzügen, Schuhen und Accessoires – Uhren beispielsweise. Bei der Damenwelt boomt der Verkauf von maskulinen Modellen.

Unisex Looks
Gucci, Burberry, Prada, Giorgio Armani, Givenchy, Adidas – die Liste der Modemarken, die zurzeit Unisex Clothing anbieten, ist schier endlos. Hinter der Begehrlichkeit solcher Outfits steht das Bedürfnis, zu allererst als Mensch und nicht als Mann oder Frau wahrgenommen zu werden. Die völlige Ignoranz physischer Gegebenheiten funktioniert aus ästhetischer Sicht bei Mode aber oftmals nur bedingt – schließlich ist ein zum Körperbau passender Schnitt zumeist viel schmeichelnder.

Classical Gender In einer Welt krasser Gegensätze gibt es daher natürlich auch einen Gegentrend: extrem feminine Mode! Die Varianten reichen hierbei von klassischen Couture-Stilen über witzige Retro- Styles bis hin zu sexy Punk-Looks und experimentellen Glitzer Disco-Outfits. Erlaubt ist, was gefällt und die Weiblichkeit positiv unterstreicht. Es ist daher sicher kein Zufall, dass die Trendexpertin Li Edelkoort für ihre Lifestyle-Prognosen 2019 den Titel “Déesses”, was auf Deutsch „Göttinen“ bedeutet, gewählt hat. „Mann“ darf gespannt sein, wie das modisch interpretiert wird.

Robert Gudera / Austrian Hairdressing Award